Meiho: Thunfisch-Fischerei nach dem Tsunami

Wie die Vision eines Mannes der geschundenen japanischen Tōhoku-Region eine nachhaltige Zukunft brachte

Shiogama, gelegen in der Miyagi-Präfektur im Nordosten von Honshu, ist eine der wichtigsten japanischen Fischereistädte. Ihre Wirtschaft hat fast ausschließlich mit kommerzieller Fischerei und der Weiterverarbeitung von Fischprodukten zu tun. Die Stadt hat den größten Anteil an Sushi-Restaurants pro Einwohner.

Als im Jahr 2011 das Tōhoku-Erdbeben und der anschließende Tsunami auf die Ostküste von Honshu trafen, war danach nicht nur die Existenz der Gemeinden bedroht, sondern auch ihre Identität. Doch einem Mann gab das Unglück Inspiration und Kraft, die Fischerei in dieser Region wieder aufzubauen.

Kenji Matsunaga lebt seit 2008 in Shiogama. Er war der Geschäftsführer von Meiho Co.Ltd., einem Unternehmen für die Weiterverarbeitung von Fischereiprodukten. Im August 2011 wurde er in einem Notruf darum gebeten, einem Fischereiboot beim Anlegen im Hafen der Stadt zu helfen.

Kenji Matsunaga, Geschäftsführer von Meiho Co. Ltd.

Kenji Matsunaga, Geschäftsführer von Meiho Co. Ltd.

Kenji Matsunaga, Geschäftsführer von Meiho Co. Ltd.

Das Boot hatte im März vor dem Erdbeben abgelegt und war nun mit dem gesamten Fang gestrandet. Sein Zielort war eigentlich die Stadt Kesennuma 80 km nördlich, doch der Hafen dort war zerstört worden.

Mastunagas eigenes Unternehmen war von Erdbeben und Tsunami betroffen; der Boden am Fabrikeingang war um 30 cm abgesunken und der Fisch war knapp. Er hatte eigentlich nicht die nötige Ausrüstung, um die Skipjack-Fang des Bootes anzulanden, doch er nahm die Herausforderung an.

Er hatte nur 48 Stunden Zeit, also rief er einen 500 km entfernten Kollegen an, der die nötige Ausrüstung nach Shiogama brachte. Zusammen verbrachten sie einen ganzen Tag damit, alles vorzubereiten.

Als das Boot Shiogama erreichte, war alles bereit und dank Mastunagas entschiedenem Handeln konnten 300 Tonnen wertvoller Skipjack gerettet werden.

Kenji Matsunaga kommt ursprünglich aus Yaizu City in der Shizuoka-Präfektur, wo sich einer der größten japanischen Häfen für Skipjack und Weißflossen-Thunfisch befindet. Vor dem Umzug nach Shiogama arbeitete er jahrelang daran, die Verarbeitung dieser Fischarten in seiner Heimatstadt zu organisieren. Als er nach Meiho kam, stellte er fest, dass es dort häufig an Thunfisch mangelte.

Es ist schwer vorstellbar, aber aus der Tsunami-Katastrophe entstand Hoffnung. Der Erfolg der Anlandung motivierte Matsunaga, der schon vorher über die Gründung einer eigenen Fischerei nachgedacht hatte. Nachdem er nun erfolgreich Thunfisch nach Shiogama gebracht hatte, sah er eine Zukunft für sein eigenes Unternehmen und die gesamte Region.

Das japanische Recht beschränkt die Anzahl an Fischerbooten, die gleichzeitig im Einsatz sein dürfen, also musste Matsunaga warten, bis eines aufgegeben wurde. Schließlich kaufte er ein Boot in Kyushu, das er allerdings in Shiogama registrieren wollte. Damit wollte er seine Absicht zeigen, die örtliche Wirtschaft nach dem Tsunami wieder anzukurbeln. 2012 wurde die Taufe der „Meiho Maru“ zur Geburtsstunde einer neuen Fischerei.

Nachdem er in der Vergangenheit selbst mit Beschaffungsproblemen zu kämpfen hatte, wählte Matsunaga etwas anderes zum Kernprinzip seines neuen Unternehmens: Nachhaltigkeit. Wenn er Thunfisch fischen wollte, musste es beständig Vorrat geben – und zwar langfristig.

Am 8. Juni 2013, brachte Meiho Maru die erste Ladung Thunfisch aus Angelrutenfischerei nach Shiogama. 2015 registrierte Matsunaga die Fischerei für das Bewertungsverfahren nach dem Fischereistandard des Marine Stewardship Council und 2016 folgte schließlich die unabhängige Zertifizierung. Es war erst die dritte japanische Fischerei, die diese globale Anerkennung erhielt.

Immer den Blick auf das große Ganze gerichtet, veranlasste Matsunaga auch die Untersuchung des Meiho Fischverarbeitungsunternehmens nach den Richtlinien des MSC-Rückverfolgbarkeits-Standards. Inzwischen ist das Unternehmen ebenfalls zertifiziert und damit Teil eines vollständig transparenten weltweiten Versorgungssystems für nachhaltige Fischereierzeugnisse.

Seitdem wurde der Meiho-Thunfisch mit dem blauen MSC-Siegel in das Angebot von Aeon, Japans größter Supermarktkette, aufgenommen.

„Ich will, dass die Meiho Fischerei und Meiho Co. Ltd. zu Symbolen der Hoffnung und Inspiration für die jüngeren Generationen werden.“

- Kenji Matsunaga

Dank Matsunagas Vision und seiner harten Arbeit hat die Fischerei goldene Zukunft an diesem Ort, wo sie seit jeher einwichtiger Bestandteil des täglichen Lebens ist. Dennoch erinnert er sich an die harten Zeiten und weiß genau, wie sich Naturkatastrophen auf solche altbewährten Traditionen auswirken können. Ein anderer Brauch bietet ihm Trost; regelmäßig besucht er den örtlichen Schrein. Dort betet er für die Sicherheit der Meiho-Boote und den Erfolg seiner Fischerei, des Unternehmens und der gesamten Tōhoku-Region.

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